Die Zeitungsmacher – Zeitschriften der Maxglaner Pfadfinder

Die Anfänge

Die Herausgabe von periodischen Druckschriften hat bei den Maxglanern bereits eine lange Tradition. Im Mai 1947 wurde die erste Zeitung der Maxglaner Pfadfinder veröffentlicht: Das Kanu. Wie Pepi Zauner (†) berichtete, versuchten die Maxglaner damals eine Zeitung herauszugeben, die besser gemacht war als das Blatt des damaligen Landesfeldmeisters Otto Reiner. Das Kanu war für die damalige Zeit (zwei Jahre nach dem Krieg) eine wahre Pionierleistung. Das Cover des 10-seitigen Monatsmagazins zierte ein handgedruckter und handcolorierter Linolschnitt. Der Zeitungsdruck erfolgte mittels Wachsmatrizen auf einer ebenfalls handbetriebenen Abziehmaschine. Fotoapparate und Filme waren damals natürlich Mangelware und so behalf man sich mit Zeichnungen und Illustrationen, die entweder direkt auf die Matrizen oder auf Spezialpapier, das belichtet und entwickelt werden musste, gezeichnet wurden. Die arbeits- und zeitaufwendige Herstellung brachte jedoch bereits nach dem ersten Jahr und acht Ausgaben das Ende.

Erst einige Jahre später wurde das Projekt Gruppenzeitung wieder aufgenommen. Zuerst beschloss die neugegründete Pfadfinder-Gilde in Maxglan wieder eine Zeitung zu veröffentlichen. Der Gilden Kurier unter der Leitung von Ernst Müller wurde aber nach drei Ausgaben in den Jahren 1965 und 1966 wieder eingestellt. Zur gleichen Zeit machte man sich auch in der Pfadfindergruppe daran, erneut eine eigene Zeitung zu drucken. Im April 1966 erblickte Come On das Leben, gestaltet von Wolfgang Stöggl, Roland (Tommy) Huter und Artur Grabner. Vervielfältigt wurde Come On mit Spiritusmatrizen, heimlich abgezogen von der damaligen Pfarrsekretärin Renate – Pater Hartwig durfte davon nichts wissen. Doch auch dieser Versuch musste aufgrund technischer Probleme (die Abziehmaschine wurde kaputt) bereits nach einem Jahr wieder beendet werden.

Titelseite des Come On, Heft 4, Juli 1966.

Die Offerte und andere Stufenzeitungen

Auch die Rover waren nicht untätig geblieben. Nach der MaRoNa (Maxglaner Rover Nachricht), einem Informationsblatt mit einheitlichem Briefkopf, wurde unter Franz Pilz 1975 die Offerte ins Leben gerufen. In diesen Jahren wurde vor allem auf die grafische Gestaltung von Drucksorten sehr viel Wert gelegt – Franz Pilz hat hier einen neuen Qualitätsstandard eingeführt. Damals entstanden beispielsweise die ersten gestalteten Begleithefte zu den Adventwanderungen und für die von den Rovern organisierten Landes- und Bundesschimeisterschaften wurden eigene Briefpapiere entworfen. Nach dem Ausscheiden von Franz Pilz aus der Roverleitung übernahm Fritz Ortner diese Tradition. Er gab einige Jahre die Offerte heraus, die neben einer Programmvorschau für die Roverrotte auch einige Fixpunkte bot, wie zum Beispiel die Rubrik „Why not“ mit Ideen für das Rottenleben und Buchtipps. Bis 1991 (also auch noch neben der die Glocke) konnte die Offerte regelmäßig jedes Monat erscheinen. Nach 15 Jahrgängen bedeutete die Zusammenlegung der Offerte mit der die Glocke ab Jänner 1991 auch das Aus als eigenständige Zeitung. Bis zum Juli 1996 erschien die Offerte noch regelmäßig und seitenmäßig stark vertreten in der die Glocke, verschwand dann aber spurlos und ohne Nachruf. Der letzte Offerte-Gestalter war Markus Berghammer. Es spricht für die Ausdauer der Offerte-Macher, dass sie noch bis vor kurzem die Zeitung mit der längsten Lebensdauer bei den Maxglanern war (21 Jahre) und erst jetzt von der die Glocke eingeholt wurde.

Neben den Rovern war auch die neugegründete Explorer- und Caravellesstufe aktiv geworden. Ab 1980 erschien der Explorer Express (Kurz ExEx) in einer, wie man es heute bezeichnen würde, „trashigen“ Aufmachung: witzige Texte und Handzeichnungen mittels Collage zusammengefügt und kopiert. Einfach aber effektiv. Die Beliebtheit ist besonders an der Auflagenhöhe zu erkennen, denn obwohl es kaum mehr als 20 Explorer gab, waren bis zu 50 Stück pro Ausgabe schnell vergriffen. Ganze acht Jahre war der ExEx am Leben. Auch die Caravelles gaben damals eine eigene Zeitschrift heraus: Der Maxglaner Mittelscheitel konnte immerhin zwei Jahre bestehen.

Eine neue Gruppenzeitung: die Glocke

An einem Gruppenrat zu Beginn des Jahres 1987 wurde auf Anregung des damaligen Gruppenleiters Josef Reischl die Idee geboren, nach den zahlreichen Zeitungen aus den einzelnen Stufen wieder eine einzige Zeitung für die ganze Gruppe herauszugeben. Ein Projektteam unter der Leitung von Fritz Ortner entwickelte bis zum Sommer ein entsprechendes Konzept. Da die Zeitung vor allem als Kommunikationsmedium innerhalb der Gruppe genutzt werden sollte, etwa zum Ankündigen von Terminen, war rasch klar, dass das nur mit einer monatlichen und pünktlichen Erscheinungsweise gewährleistet werden kann. Beim ersten und einzigen Maxglaner Presseball im Juli 1987 wurde über den Namen der Zeitung abgestimmt und die Glocke mit großer Mehrheit gewählt.

Gleich die erste Ausgabe im Oktober 1987 provozierte einen kleinen Skandal. Ein eher lockerer Bericht der Explorer über die nicht ganz widmungsgerechte Behandlung eines Brotlaibes am Salzburger Landeslager Pinzga sorgte gleich nach Erscheinen für erzürnte Anrufe bei Chefredakteur Fritz Ortner. Das anfängliche Konzept teilte die Glocke in die Vollausgabe mit etwa 30 Seiten und drei Ausgaben pro Jahr und die Schmalspur-Ausgabe in den übrigen Monaten des Pfadfinderjahres, mit einem Umfang von 8 bis 16 Seiten. Schon zu Beginn war klar, dass die Glocke als Medium innerhalb der Gruppe fungieren soll, jede Altersstufe stellte dazu einen Reporter. Bald schon gesellten sich zu den Berichten aus den Stufen und dem Monatsplan in der Mitte der Zeitschrift neue Ideen und Kolumnen und so hatte im Jahrgang 7 bereits jede Ausgabe mehr als 20 Seiten.Die Produktionstechnik damals, vor 20 Jahren, war für heutige Verhältnisse ziemlich einfach und veraltet. pcs steckten noch in den Kinderschuhen, waren kaum leistungsfähig aber dafür sauteuer. Es gab zwar Textverarbeitungsprogramme, damit konnte man aber noch kein Seitenlayout mit Grafiken und Fotos gestalten. Die Zeitung wurde daher mittels „Klebesatz“ produziert, das heißt die mit dem Textverarbeitungsprogramm geschriebenen Texte wurden als Fahnen ausgedruckt, mit der Schere ausgeschnitten und in das kopierte Seitenlayout geklebt. Zeichnungen und Grafiken mussten mit einem Kopierer auf die richtige Größe verkleinert und ebenfalls eingeklebt werden. Fotos wurden als Papierbilder an die Druckerei geschickt, gerastert und in das fertige Layout geklebt. Trotzdem erschien die Glocke Jahr für Jahr monatlich pünktlich.

Auf in neue Höhen

Nach acht Jahren übernahm 1995 Andreas Martin die Chefredaktion von Fritz Ortner. Mit frischem Enthusiamus, guten Ideen und besseren technischen Möglichkeiten begann der Aufstieg in ungeahnte Höhen. Als augenfälligste Änderung erschien die Glocke nunmehr in einem sehr modernen und erfrischenden Design mit farbigem Umschlag. Die Professionalisierung und Qualitätssteigerung erhöhte natürlich auch die Produktionskosten und so wurden Anzeigen in der die Glocke platziert. Nach nur einem Jahr in gewohntem Format und Auflage strebte die Glocke nach Höherem. Mit einem lauten Glockenschlag erschien im Oktober 1996 die erste die Glocke im großenFormat (A4). Die interne Gruppenzeitung war zu einem ansprechenden Jugendmagazin gewachsen. Vierteljährlich erschien das sogenannte die Glocke Magazin mit allgemeinen Themen zur Jugendkultur und einer Auflage von bis zu 1000 Stück unter der Leitung von Andreas Martin. Dazwischen wurde über eine interne Ausgabe aus der Feder von Markus Berghammer und Oliver Roider, die Glocke Zeitschrift, die Gruppe informiert.Der überdimensionale Aufwand und die Kosten für eine ehrenamtlich erstellte Zeitung brachte aber, trotz großem Erfolg, das großartige Projekt zum Scheitern. Mit September 1998 übernahm Markus Berghammer die Herausgabe. In den ersten beiden Jahren wurde die Glocke noch von den kleinen Informationsfoldern Spot begleitet. Diese zeigten vor allem in ihrer Wirkung als aktuelle Werbefolder großen Erfolg.

Zurück zu den Wurzeln

Man kehrte also wieder zurück zum ursprünglichen Konzept der die Glocke als Informationszeitschrift der Gruppe. Die folgenden Jahre waren geprägt von der Ausdauer und Beständigkeit des Chefredakteurs Markus Berghammer. Die technischen Entwicklungen machten es dazu auch möglich, die Glocke teilweise in Farbe zu veröffentlichen. In nächtelanger Arbeit wurde Monat für Monat die Glocke nicht nur gesetzt und gelayoutet, sondern auch selbständig am Farblaserdrucker vervielfältigt.

Im Jahr 2006, nach zehn Jahren monatlichem „Glockestress“, übergab Markus das Ruder an Christoph Fuchs (fox), der als Profi auf diesem Gebiet eine neue Qualitätsoffensive startete. Nach dem Leitsatz „weniger Form, mehr Inhalt“ kehrtedie Glocke teilweise zurück zum bewährten Konzept: Schwarz-weiß und auf Umweltpapier – wie in den Anfangsjahren. Inhaltlich wurde versucht, wieder kleine Kolumnen zu fixieren und für jede Ausgabe einen Themenschwerpunkt zu finden. Der grafische Auftritt ist von den Effekten her sehr reduziert, aber modern und selbstbewusst. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch in Zukunft immer wieder engagierte Zeitungsmacher finden, die das Projekt weitertragen und mit neuem Leben erfüllen. Das ist nicht nur wichtig für das jeweils aktuelle Gruppengeschehen sondern gewährleistet auch eine lebendige Dokumentation der Gruppengeschichte und stellt damit eine moderne Form der früheren Logbücher dar.

Fritz Ortner und Christoph Fuchs
Der Text ist aus dem Buch Die Maxglaner. 80 Jahre Pfadfinder Maxglan entnommen.